EU für offene Standards

Das hat gesessen heute in Brüssel. Nicht nur, dass eine EU-Kommissarin zu einer Veranstaltung des OpenForum Europe geht und eine Keynote hält – nein, der Inhalt war sicher schwer verdaulich für einige der ca. 150 Anwesenden im Hotel Conrad heute morgen mitten in Brüssel.

Wie sonst kann man es deuten, wenn Frau Kroes, die oberste Wettbewerbshüterin der EU, zwar diplomatisch, aber trotzdem deutlich auf sehr aktuelle Diskussionen rund um offene vs. proprietäre Standards eingeht, mehrfach dabei betont, dass natürlicher Wettbewerb gut sei und Zurückhaltung von Seiten der Regulierer sehr wichtig ist, aber dann jeweils das berühmte ABER anfügt.

Einige Zitate und auch der vollständige Redetext sind verfügbar:

Reuters (englisch), heise.de (deutsch), New York Times (englisch)

Als einer der folgenden drei Redner konnte unser Münchner Oberbürgermeister aus der Praxis berichten, dass freie Software und offene Standards schon längst Alltag sind und durch Offenheit der Wettbewerb im Softwaremarkt stimuliert wird. Gleichzeitig konnten wir nochmals verdeutlichen, was OOXML an potentiellen Einschränkungen für einen freien und fairen Wettbewerb mit sich bringt und haben natürlich Frau Kroes empfohlen, hier nochmals genauer hinzuschauen und mit Nachdruck Microsoft klar zu machen, dass den letzten positiven Ankündigungen auch wirklich messbare und v.a. brauchbare Ergebnisse folgen müssen.

Überrascht hat mich das Medieninteresse in Brüssel und die Informiertheit der Anwesenden Journalisten. Noch lange nach offiziellem Ende der Veranstaltung waren “informelle” Gespräche über Hintergründe im Gange. Die Vielzahl der noch im Laufe des Mittags erschienenen Berichte (im englischsprachigen Bereich, die deutschen ziehen gerade nach), zumeist inhaltlich komplett am Thema, zeigen welche Wirkung die Rede der Kommissarin hatte. Sogar die New York Times berichtet, der Korrespondent war da.

Jetzt hat sich DG Wettbewerb klar positioniert, ich bin gespannt, ob DG Informationstechnologie ebenso nachzieht und die Kommission damit ein sehr sehr starker Befürworter und Nutzer offener Standards wird.

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