Verwaltungsinterne Kongresse haben den Vorteil, dass die Anwesenden nicht ständig dem aggressiven Lobbying ausgesetzt sind. So steht beim KoopA z.B. nur ein reiner Microsoftvortrag auf dem Konferenzprogramm. Respekt.
Die Gespräche in den Vortragspausen an unserem LiMux-Infostand hatten oftmals das gleiche Fazit: wir schauen auf euch und drücken euch (Münchnern) die Daumen, sind aber selbst noch nicht in der Lage, den gleichen Schritt zu machen.
Warum?
Oft ist es die Angst vor Unbekanntem und der Druck, schnell und günstig Erfolge zu bieten. Veränderungsprojekte, wie es jeder Schwenk zu freier Software und offenen Standards derzeit noch ist, müssen zunächst für die Sünden der Vergangenheit zahlen. All die Kosten der Abhängigkeit, in die man sich in den vergangenen Jahren begeben hat, müssen zunächst getragen, um dann künftig gespart zu werden. Das ist harter Tobak für viele Entscheider in Behörden, v.a. für die doch kurzlebige Politik. Effekte werden erst in der nächsten Wahlperiode deutlich, also was interessiert mich das?
Trotzdem befassen sich viele mit der Möglichkeit künftig ihre IT auf offenen Standards und mit freier Software zu betreiben. Die Potentiale werden erkannt, Alternativen werden diskutiert und zum Teil sogar exemplarisch umgesetzt. Aber bis das zu 100% ausgetestet ist und sich die Wirtschaftlichkeit eines mutigen Schrittes auch für den uninteressiertesten Entscheider/Politiker so deutlich zeigt, dass es nur eine Antwort geben kann - bis dahin werden erstmal die vorhandenen Microsoftprodukte weiter betrieben und schlimmstenfalls wird zunächst noch eine “Zwischenmigration” in Angriff genommen.
Es fehlt in Deutschland an behördeninterner positiver und vernetzter Überzeugungsarbeit. Es gibt neben den bekannten Protagonisten eine Vielzahl von positiven Beispielen für den wirtschaftlichen, effizienten und letztlich erfolgreichen Einsatz von freier Software - nur weiß niemand davon. Viele trauen sich nicht, über ihre positiven Erfahrungen zu berichten, zu groß ist die Angst vor der Antwort Microsofts.
Hier liegt meiner Meinung nach eine große Herausforderung. Es liegt jetzt an den wenigen Protagonisten, das Heft in die Hand zu nehmen und die Vorteile der Unabhängigkeit von einem Hersteller, am besten hinterlegt mit konkreten Beispielen, deutlich öffentlich darzustellen. Verwaltungen müssen ein enges Netzwerk knüpfen, in dem sie gegenseitig voneinander profitieren, Erfahrungen sammeln und weitergeben und eine Dynamik bzgl. freier Software entwickeln, denen ein Großkonzern mit hervorragender Lobbyabteilung (Lob an Microsoft!) nichts entgegenzusetzen hat. Wir Verwaltungen müssen den Community-Gedanken endlich richtig aufgreifen und leben.