keine Stämme mehr!
Ich habe ja bereits 2x über meine Spielerfahrungen beim Echtzeit-Browserspiel “Die Stämme” (kurz: DS) berichtet. Heute habe ich bei heise.de einen sehr interessanten Artikel gelesen, der für mich 1:1 auf meine Erfahrungen anwendbar ist. Ich bin zwar nicht mehr in der untersuchten Zielgruppe der 14-20 Jährigen, allerdings ist das meiner Meinung nach die am meisten bei DS vertretene Altersgruppe.
Spielsinn ist, alleine oder zusammen mit Gleichgesinnten in der virtuellen Umgebungslandkarte zu expandieren, indem man Dörfer erobert. Alleine ist das ab einem gewissen Alter einer Spielwelt schwierig, da die meisten Spieler sich zu unterschiedlichen Stämmen zusammenschließen und mehr oder minder erfolgreich gemeinsam agieren, d.h. zusammen angreifen und beim verteidigen sich gegenseitig aushelfen.
Während bei dem Spiel in der Anfangsphase das sogenannte Farmen (überfallen gegnerischer Dörfer mit dem Ziel mehr Rohstoffe zu erbeuten) nahezu den ganzen Tag betrieben werden kann und muss, sofern man erfolgreich sein möchte, nimmt mit steigender eigener Dörferzahl der Dorfausbau und Truppenaufbau mehr und mehr Zeit in Anspruch, das Farmen fällt dafür nahezu weg. Und wenn der eigene Stamm angegriffen wird, dann muss gemeinsam verteidigt werden, d.h. minutenlanges Browserklicken um Truppen von den eigenen Dörfern in die zu verstärkenden Dörfer zu verschicken.
Noch zeitintensiver ist das (gemeinsame) angreifen, denn ab einer gewissen Reife der beteiligten Spieler kommt es darauf an, Angriffe sekundengenau zu berechnen und die Truppen entsprechend loszuschicken. Oftmals gehen dadurch ganze Tage drauf, an denen alle 30-60 Minuten Truppen weggeschickt werden müssen. Dazwischen vertrödelt man die Zeit…
Stämme, die ausschließlich fachgetrieben agieren (also einzig den Spielsinn verfolgen), sind anfangs erfolgreich, aber irgendwann geht ihnen die Luft aus, die persönliche Motivation vieler Mitglieder sinkt und der Stamm wird von wenigen getragen.
Auf der anderen Seite stehen Stämme, die ausschließlich aus persönlichem Interesse bestehen (z.B. weil sich die Mitglieder im realen Leben kennen), genauso vor dem Scheitern, da es ihnen oftmals an notwendiger Zielgerichtetheit im Spielsinne fehlt.
Auch hier macht es die Mischung, Stämme die es schaffen, aus spieltaktisch Klugen Köpfen eine lebendige Community (auch mit “Lehrlingen”) zu bilden und dadurch persönliches Engagement (man kennt sich, kommt gut miteinander aus, ersetzt dadurch das real life) und Fachwissen zu verbinden, bestehen länger.
Im Oktober 2006 habe ich dort ganz klein angefangen und bin innerhalb eines Jahres, durchaus auch mit Glück, ein mittelgroßer Spieler geworden. Ich hatte zuletzt das große Glück, in einem sehr engagierten und dadurch vielen anderen überlegenen Stamm spielen zu dürfen. Neben den oben bereits geschilderten spieltaktischen Aufgaben wurde mir dort noch zusätzlich eine recht gut funktionierende Community geboten, bei der sich nahezu ganztags (und nachts!) Mitstreiter im Forum und im Chat tummelten. Es war immer was los.
Aber für mich war Ende Oktober schluss mit DS. Es ging einfach nicht mehr. Seit den Sommerferien (wobei ich ja gar keine Ferien mehr habe) war mir klar, dass DS eine schleichend kommende Sucht ist, die sich gerne festsetzt und Tagesabläufe nicht selten bestimmt - nicht mehr das kurze Reinklicken zum Zeitvertreib, sondern das gezielte Ausrichten der eigenen Zeitplanung, um beim Browserspiel erfolgreich zu agieren.
Im Nachhinein, nach nun 3 Wochen Abstinenz, kann ich DS auf der einen Seite weiterempfehlen. Ich konnte auch dort, wie schon bei einigen anderen Onlineprojekten davor, den Aufbau und die Wirkungsweise einer Onlinecommunity (Web 2.0
) aktiv miterleben und zuletzt mitbestimmen. Die Gemeinsamkeiten sind verblüffenderweise enorm, es gibt ein Fachthema als Auslöser des Zusammentreffens und in der Folge bilden sich Gruppen Gleichgesinnter heraus. Die persönliche Wertschätzung der virtuellen Aktivität bestimmt dabei den Fortgang und Erfolg des Projektes.
Andererseits kann ich nur warnen, es ist definitiv eine Abhängigkeit, in die man sich mit fortschreitender Spieldauer begibt. Während viele den Spagat zwischen realer Welt und Freizeitbeschäftigung, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, wunderbar hinbekommen, gibt es meiner Erfahrung nach genug Beispiele, bei denen das eben nicht mehr gelingt.
Um den Bogen zum Ausgangsthema (Artikel bei heise.de) zu schließen: ja, auch ich habe viel wichtige Freizeit im letzten Jahr vertrödelt. Jetzt ist Schluss damit! Gottseidank ![]()
18. November 2007 um 12:47
Na, gibt immer 2 Seite der Medaille find ich
Einerseits stimmt es schon, dieses gemeinsame Angriffe losschicken etc ist äußerst zeitaufwendig, manchmal gehts die ganze Nacht durch.
Ich weiß allerdings nicht, ob man DS als Sucht bezeichnen kann, ich könnte durchaus sofort aufhören, nur will ich das gar nicht weil es ungeheuer Spaß macht. Und der steht für mich immer noch im Vordergrund bei nem BrowserGame, hat man den nicht mehr, sollte man echt aufhören.
Bzgl Sucht ein interessanter Link, Floschie
http://www.floschi.info/2006/12/weihnachtsfriede-bei-die-stamme-in-kraft/#comment-3825
18. November 2007 um 13:02
Hi floschie,
erst mal Gratulation zu deinem Absprung von DS, wir vermissen Dich schmerzlichst. Ja in gewisserweise hast Du Recht in Sachen Suchtgefahr. Man muss halt wie bei allen Hobbys aufpassen, dass man sie nicht zu exzessiv betreibt.
Später im Verlauf des Spiels Die Stämme kann man die Arbeit, ja ich nenne es Arbeit (Truppenbau usw) ,nicht mehr alleine bewältigen ohne zu viel Zeit in das Spiel zu stecken… Das andere Problem is das Gefühl, wenn man aufhört die anderen Spieler in seinem eigenen Stamm im Stich zu lassen wenn man einfach aufhört ohne für seine Nachfolge zu sorgen(hast Du nicht gemacht).
Also hoffe des derKontakt nicht abreisst!
Viele Grüße Alexander aka Galamir vom Stamme –S–
18. November 2007 um 15:18
Hi floschie,
ich habe genau das mit DroidWars durch. 1.5 Jahre habe ich dort sehr aktiv mit einer engagierten Truppe aus RL Freunden das Spielgeschehen in unserem ‘Quadranten’ bestimmt. Als wir dann aber Nachtwachen aufstellen mussten und schon morgens um 4:30 aufstehen mussten, um unsere Truppen loszuschicken oder angriffe zu blocken , war auch für mich Schluss.
(Merke: Gegen einen Bäcker sollte man nicht spielen, für den ist das eine normale Aufstehzeit ;-))
Viele Grüsse
Thorsten
20. November 2007 um 8:41
Args. Daneben geklickt.
Sry Flo,
Hallo Flo, ich stimme dir zu. Du hast es wieder einmal geschafft und die Situation in treffende Worte gekleidet.
Und nur solange wie man auch wieder aufhören kann bleibt es ein Spiel.
Auch das schlechte Gewissen wenn man geht.
Du fehlst uns schon. Besonders deine Art, die Leute zu organisieren. Aber hey, es ist ein Spiel
Ich bin stolz auf dich. Und werde jederzeit gerne an die coolen Zeiten denken, in denen man zu Bäckerzeiten geklickt hat ^^
lieben gruß
Nicki
23. September 2008 um 22:03
Schöner Text, einige Sachen kommen mir vertraut vor, ich habe ähnliche Dinge erlebt, ich bin süchtig nach DS, das weiß ich, aber ich kann und will nicht aufhören, kann mir jemand einen Tipp geben?
24. September 2008 um 19:59
So plump das klingt: einfach aufhören. Du musst die ersten ein/zwei Wochen überstehen, am besten weil du da sowieso im Urlaub bist und keinen Zugriff aufs Inet hast, dann ist es wesentlich leichter danach die Selbstdisziplin aufzubringen und dort eben nicht mehr vorbeizuschauen.
Bei mir war von Vorteil, dass meine Kollegen, die ebenfalls DS gespielt haben, kurz vor oder nach mir auch aufgehört haben - aus ganz unterschiedlichen Gründen.