Archiv für September 2006

Nehmen wir mal Konzern XY

Samstag, 30. September 2006

Irgendwie erinnere ich mich derzeit an die letzten Tage der Lobbyschlacht um die dann gescheiterte SWPat-Richtlinie. Damals schlossen sich Großkonzerne mit Sitz am Standort X zusammen und luden politische Vertreter des Standortes X ein, um gegenüber deren SWPat-kritischen Haltung die soziale Bedeutung der Großkonzerne und deren Bedürfnis nach Macht durch SWPat aufzuzeigen. Gerade ein Jahr später wird publik, wie schändlich sich Großkonzern XY von seinen deutschen Mitarbeitern trennt. Der gleiche, der ein Jahr zuvor noch auf seine Bedeutung für den Wirtschaftsstandort lauthals hingewiesen hat… irgendwie grotesk, oder?

Um es mit den Worten anderer Blogs zu sagen: “Am besten die Hütte abfackeln”.

Die Macht der Tabaklobby

Mittwoch, 27. September 2006

Vor der Sommerpause war die Parole “Kampf dem Qualm”, endlich entschlossen sich auch deutsche Politiker, es dem Beispiel anderer Länder gleich zu tun und per Gesetz den Qualm, zumindest aus Gaststätten, zu verbannen. Lange ist das nicht her, aber die Meinung hat sich schon wieder gewandelt. Der Entwurf einer Expertenkommission, der weitreichende Rauchverbote vorsieht, ist nun für die Mehrheitsfraktionen im Bundestag vom Tisch, stattdessen wird ein eigener Antrag formuliert, der nur mehr ein eingeschränktes Rauchverbot in Gaststätten vorsieht. Kommentar der GRÜNEN: “Einknicken vor der Tabaklobby.” Schade, eine weitere Chance verpasst. Tja, leider. In Deutschland regiert eben die Industrie, daran ändert sich nichts, egal ob SPD oder CDU/CSU :(

Beim Transrapid gibt’s nur menschliche Fehler

Montag, 25. September 2006

Eine echte Tragödie. Natürlich v.a. für die Opfer, aber umso mehr für die Industrie. Und was macht man in diesem Falle, um das Unheil abzuwenden? Richtig, man schiebt die Schuld dem schwächsten Glied in der Kette zu, dem Menschen. Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die sich auf die jahrelangen Aussagen der Obrigkeit verlassen haben und geglaubt haben, diese Technik verhindere Kollissionen. Plötzlich passiert das Unfassbare und wer ist schuld - die Menschen, die die Technik bedienen.

Vielleicht sollten wir von unserem hohen Ross endlich hinabsteigen und begreifen, dass diese achso fortschrittliche Technik das Unglück nicht verhindert hat. Warum dürfen wir den Transrapid nicht in Frage stellen? Weil er so durchdacht ist? Wohl kaum. Wieso gibt es bei dieser Technik, die mittels abschnittsweise strominduzierter Magnetfelder den Zug voranschweben lässt, kein System, das einfach automatisch verhindert, dass innerhalb einer festzulegenden Anzahl von Abschnitten (z.B. 10km) keine zwei Gefährte auf den Gleisen sich fortbewegen können? Zuviel verlangt? Mitnichten!

Aber es ist einfach, hier zu sparen und im Falle eines Falles die Schuld dem Bedienenden zu geben, der ja klare Vorschriften hatte. Großidustrie, wasch dir die Hände rein. Pfui.

Patente, EPLA und Software

Freitag, 22. September 2006

Es geht nun also wieder rund. Über ein Jahr ist vergangen, seit dem grandiosen Zwischenerfolg der Softwarepatentkritiker über den Lobbyismus global tätiger Großkonzerne. Schon damals warnten viele, dass es weitergehen wird, die Bestrebungen die eigenen Pfründe durch Patente auf alles zu sichern würden nicht aufhören…

Und nun ist es wieder soweit. Nach anfänglich kaum merkbaren Scharmützeln beider Lager geht EU-Kommissar McCreevy nun wieder in die Offensive. Im Lager der Konservativen hat er seinen jahrelangen Mitstreiter, den deutschen EU-Parlamentarier Klaus-Heiner Lehne (CDU), aktivieren können, der nun offen für eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen zum europäischen Streitregelungsabkommen (EPLA) fordert. Da wähnte er sich noch in trügerischer Sicherheit und war wohl  der Überzeugung, die Kritier feiern noch und schlafen. Falsch!

Es gilt, das vorschnelle Fordern der EPLA-Maßnahmen zu verhindern. Die europäischen Sozialdemokraten und Grünen haben bereits einen entsprechenden Antrag für eine Resolution des EU-Parlaments auf den Weg gebracht, siehe hier. Florian Müller, anerkanntermaßen einer der Köpfe des vergangenen Sieges ist, ebenso wie der FFII, derzeit wieder vermehrt öffentlich aktiv. In seinem Blog fasst er gut den aktuellen Stand zusammen: http://www.softwarepatente-buch.de/florian-mueller-blog/

Also: Auf Jungs und Mädels da draußen, macht euch bereit, es muss weitergehen!

LiMux 1.0 ist da!

Mittwoch, 20. September 2006

Es gab ja einigen Trouble um unser Projekt, aufgrund von Softwarepatent-Befürchtungen waren wir sogar bereits abgeschrieben… aber Totgesagt leben bekanntlich länger *g*
Gestern haben wir die Version 1.0 unseres Basisclients freigegeben, die fortan in Münchens Verwaltungs-PCs ausgerollt wird. Wir vom Linux Team fangen natürlich an, aber genauso steigen “normale” Endbenutzer bereits um, darunter auch unser Oberbürgermeister Ude.

Unter der Haube werkelt ein leicht erweitertes Debian sarge (z.B. aktueller Kernel wegen mehr Hardwareunterstützung), sichtbar für die Nutzer ist KDE 3.5. Alles keine Zauberei, Linux ist einfach eine Alternative für den Desktop geworden, das haben vor uns auch schon andere (z.B. Wien) bewiesen.

Unsere offizielle Mitteilung dazu siehe www.muenchen.de/Rathaus/dir/limux/ueberblick/175149/windowsabloesung.html.

Zu sehen ist der Client auch, erstmals heute auf meinem Vortrag mittags bei der IHK München, dann in den kommenden Wochen auf den Regionalkonferenzen der Perspektive Open Source (siehe www.floschi.info/2006/08/perspektive-open-source/). Und schlußendlich auf der SYSTEMS Ende Oktober.