Verdi kann nur verlieren

Der Unterschied zwischen dem derzeitigen Streikaufrufen der IG Metall in der Industrie und Verdi im öffentlichen Dienst wird durch Felix Berth in seinem Kommentar in der heutigen Süddeutschen Zeitung (Printausgabe, Seite 4) treffend beschrieben.

Die Metaller streiken für mehr Geld in einer Branche, der es derzeit sehr sehr gut geht, in der die Konzerne üppige Gewinne einfahren und die Beschäftigten mit einem Butterbrot abspeisen wollen - natürlich, wer will ihnen den Versuch denn verdenken. Achso, nein - ich vergaß: das ist unmenschlich, die armen Metaller bei den reichen Konzernen, da ist jedermann auf Seiten der Schwachen. Zu Recht.

Anders bei den andauernden bzw. bevorstehenden Streiks im öffentlichen Dienst. Dem Land geht es schlecht, den öffentlichen Arbeitgebern sowieso und dann kommt ein Bsirske daher, der uns arme Bürger wegen 18 Minuten Mehrarbeit am Tag die Kinderbetreuung verweigert, die Operation aufschiebt, den Müll liegen lässt und und und. Spinnt der denn? Bei 5 Mio. Arbeitslosen wegen 18 Minuten am Tag streiken?!

Zieht Verdi den Streik durch, kocht Volkes Seele - knicken sie ein, gibt es für die Beschäftigten wohl endgültig keinen Grund mehr, in einer Gewerkschaft organisiert zu sein. Egal was Verdi macht, am Ende verliert die Gewerkschaft. Auch, weil selbst ein Verhandlungsgewinn bei den Kommunen über eine Klausel im letzten Tarifvertrag durch einen 40 Std. Tarifvertrag bei den Ländern nachträglich ausgehebelt werden kann und so jedes Ergebnis bei den Kommunen hinfällig wird. Auf die Länder kann Verdi sowieso keinen Druck ausüben, da gebe ich Felix Berth recht.

PS: Die westdeutschen Metaller haben vor nicht allzu langer Zeit für 35 Stunden in der Woche gestreikt, das ist ein Tag weniger als ich derzeit arbeite (42 Std) - scheiß öffentlicher Dienst ;-)

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