Streik im öffentlichen Dienst
Jetzt steht er also wieder kurz bevor, ein Streik. Normalerweise ist Volkes Meinung dabei immer auf Seiten der Streikenden, die von den “bösen” Arbeitgebern zuviel geknechtet werden und “nur” für ihre Rechte auf die Straße gehen. David gegen Goliath Mentalität schwappt von den Betroffenen auf andere Branchen über, wie es in den Nachrichten dann zumeist heißt.
Doch bei Streiks im öffentlichen Dienst ist das anders. Da lacht der nicht im öD beschäftigte Teil des Volkes zynisch über diese “Gauner”, denen es sowieso viel zu gut geht und die sich nicht so aufregen, sondern endlich ihre Arbeit richtig machen sollen. Nur Politiker sind unbeliebter als Beamte und Angestellte im öD. Der öD hat nunmal das Problem, dass er es ist, der die Gesetze, die die Politiker machen, die vom ganzen Volk gewählt werden, vollziehen muss. Und das letzte Glied in der Kette dieser Gesetze sind numal die “bösen” Sachbearbeiter. Und die machen immer alles falsch, legen einem nur unsinnige Bürden auf, geben nicht genug A2ll, Wohngeld oder was auch immer. Und arbeiten kann man das, was DIE machen, sowieso nicht nennen. Faule Säcke!
Tja liebe Außenstehende, hier mal meine kleine Geschichte:
Als ich vor 6 Jahren meine Entscheidung pro öD traf, gab es in Bayern für uns Beamte die 40 Stunden Woche, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, 2 Arbeitszeitverkürzungstage zusätzlich zum Urlaub, um die Mehrbelastungen durch die Erhöhung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Std. auszugleichen, usw. usw. Mittlerweile arbeite ich schon seit anderthalb Jahren 42 Wochenstunden, habe keine AZV-Tage mehr, bekomme kein Urlaubsgeld und weniger Weihnachtsgeld. Umgerechnet arbeit ich im Vergleich zu vorher bei weniger Gehalt einen Monat mehr!
OK OK, jetzt kommt das Argument, dass ich dafür ja nen sicheren Job habe. Richtig. Deshalb habe ich kein Problem damit, weniger zu verdienen als in der freien Wildbahn bei vergleichbaren Jobs. Aber das Argument kann nicht auf Dauer dafür herhalten, im öD immer noch mehr zu kürzen, nur weil das für Politiker populär ist. Wenn die Kassen leer sind, dann haben es die Politiker verpasst, frühzeitig durch geschickte und gerechte Gesetze die Aufgaben der Leistungsfähigkeit anzupassen bzw. umgekehrt. Nicht die Beschäftigten sind schuld, aber die Schulden werden durch Kürzungen bei uns gemildert.
Fazit: Ja, im öD habe ich einen sicheren Job, aber dafür arbeite ich auch entsprechend - irgendwann sollte Schluss sein mit überproportionalen Belastungen und dafür finde ich den Streik das richtige Mittel.
PS: Ich selbst streike nicht, ich bin Beamter - und alle für mich einschneidenden Regelungen kommen bisher vom Land Bayern, für die kann meine Arbeitgeberin, die Landeshauptstadt München, rein gar nichts. Und in Zukunft wollen die Länder noch mehr Freiheiten bei der öD-Ausbeutung haben… ![]()
05. Februar 2006 um 19:57
Was der normale nicht im ö.D. Beschäftigte nicht weiß, der Staat zahlt für den Beamten keine Rentenversicherung, wenn man Beamtengehälter mit Angestelltengehälter vergleichen will, muss man ca. 18% auf den Bruttolohn des Beamten draufrechnen. Wenn der Beamte in Pension geschickt wird, kostet das dem Staat Geld. Da er aber das eingesparte Geld nicht in einen Fond/Rentenversicherung/wasauchimmer eingezahlt hat, ist der Staat natürlich bestrebt, die Kosten zu senken. Deshalb glaube ich, es wird nicht bei Weihnachtsgeldkürzungen bleiben, leider
Ps: ich bin auch Beamter, aber zur Zeit beurlaubt. Mir graut davor zurückzukehren. Weil mit mit Beföredrungen sieht es schlecht aus, wir werden wohl als arme Schlucker in Pension gehen.
06. Februar 2006 um 18:47
Verdi ist sogar schuld am Alkoholismus … oder so ähnlich:
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2006/02/06/wagner/wagner.html
07. Februar 2006 um 12:20
@doener: der Typ spinnt.
05. März 2006 um 14:10
streiks sind dumm wieso nicht einfach alles lassen wie es ist und alles ist gut!
19. März 2006 um 21:55
Mich nervt der doch ziemlich gleichgeschaltete Ton der Medien (Print, TV und Radio) anti-Streik.
Lustig ist allerdings die Koinzidenz des Streiks mit dem gerade ausgestrahlten Remake von ‘Spartakus’ und der wieder brennenden Autos in Frankreich.