Wikimania ?! Vom Wiki zum CMS?
Informationen sind Wissen und das will verwaltet werden - dabei gehört zu einem gelungenen Wissensmanagement, dass aktuelle (also nicht veraltete) Informationen schnell auffindbar sein sollen. Als Mittel der Wahl etabliert sich zunehmend das Wiki als Tool zur Unterstützung eben dieses Wissensmanagements.
Ich nutze es auch exzessiv - ob bei der Mitarbeit bei der Wikipedia, bei eigenen Projekten oder in der Arbeit (ja, LiMux nutzt intern zur Dokumentation ein Wiki) - Wikis hier und dort.
Vorteilhaft ist sicherlich, dass es diese Technik nahezu jedem ermöglicht, schnell und zumeist unkompliziert einen Teil beizutragen, sei es im Verbessern einfacher Schreibfehler, oder im Hinzufügen vollständiger Beschreibungen und neuer Themen.
Nachteilig zeigt sich, dass damit professionellen Spamern eine ebenso unkomplizierte Gelegenheit geboten wird, ihren Müll ohne viel Aufwand unter die Leute zu bringen. Natürlich gibt es dafür die ausgefeilte Versionierung und Änderungsbenachrichtigung bei nahezu jeder Wiki-Software. Nur bedeutet es Aufwand, diese auch zu nutzen - tagein und tagaus.
Große Projekte, wie z.B. die Wikipedia, machen es prima vor - nur steht dort eine große Community hinter der Pflege der Seiten, die - das liegt auf der Hand - eine entsprechend hohe Verfügbarkeit zur “Spamabwehr” aufbringen kann. In sich geschlossene Projekte, die z.B. innerhalb einer Firma/Behörde ein Wiki zur Infoverwaltung nutzen, haben auch nahezu keine Probleme mit Spamer oder ungewollten Veränderungen - ist doch die Kontrolle, die alleine durch Aufzeichnung der IPs und der damit verbundenen einfachen Zurückverfolgbarkeit, enorm.
Nur wie können kleinere Projekte mit dem Spam-Problem umgehen? Letztens beobachtete ich auf einem meiner Projekte, dem debianhowto.de, dass wahllos Seiten geleert, verändert und somit verunstaltet wurden. Teilweise bedingt durch lästige Spamrobots, zu Teilen aber auch bewusst durch Debian wohl negativ gesonnene Zeitgenossen, die z.B. wichtige Passagen mit Schwachsinn überschrieben, freie Lizenzangaben entfernten usw. Ähnliche Probleme hatte das Wiki des vexim-Projektes, einer webbasierten Exim4-Konfigurationsschnittstelle. Wie können sich solche kleine, mit wenig “festen” Ressourcen ausgestattete, Projekte dem ständig zunehmenden Problem nähern?
Die Tendenz geht wohl dazu, grundlegende Seiten nur für wenige ausgesuchte Benutzer editierbar zu machen und die “Normalseiten” zumindest nur registrierten Benutzern zur Verfügung zu stellen - Registrierung nur gegen eine gültige E-Mailadresse. Genau das läuft dem ursprünglichen Prinzip des Wikis allerdings entgegen, für derartige Webseiten bietet sich ein klassisches Content-Management-System wie z.B. typo3, Mambo, drupal usw. ebensogut an.
Aber ist das wirklich so, d.h. ist der Hype um Wikis bereits schon wieder dabei, der Realität Tribut zu zollen und auf ein Maß zurückzurudern, dass die Vorteile des Wikis mit der kontrollierten Benutzerzahl von Portalsystemen vereint, dabei aber das “Wiki-Flair” auf der Strecke bleibt, ja sogar bleiben muss?
Imho nicht, es ist nur eine Form, wie sich die Community mit ihren Mitteln gegen den scheinbar übermächtigen Gegner wehrt. Auch weiterhin ist es jedem möglich, seinen Teil beizutragen - und während es bei den großen der Branche (Wikipedia) weiterhin leger zugeht, wird bei den kleineren eben ein Stück mehr technischer Schutzmaßnahmen benötigen, um die Qualität zu halten. Dabei wird allerdings der Vorteil des Wikis nicht entfallen, denn gerade bei den kleineren zeichnet sich die aktive Nutzergruppe mehr durch die Kenntnisse aus, eben mit dieser Technik umzugehen; sie wird die Hürde der Anmeldung eher meistern, als ein Wikipedianer (wobei man sich auch dort anmelden kann, wenn man will).
Es wird weitergehen mit der Wikimania
Mein Wort zum Wochenende - viel Spaß dabei.