Archiv für Juni 2005

Rückschau LinuxTage 2005

Montag, 27. Juni 2005

Nun sind sie also wieder vorbei. Ich konnte leider nur zwei Tage (Mittwoch und Donnerstag) dabei sein, aber die haben sich auf jeden Fall gelohnt. Neben dem wie immer abwechslungsreichen Vortragsprogramm hatte ich dieses Jahr mit einem eigenen Vortrag Premiere. Ich stellte das Münchner Projekt LiMux vor und ging vor allem auf das Vorgehen und die Erkenntnisse bei der Ausschreibung eines LiMux-Clients ein, der für viele überraschend debianbasiert sein wird ;-)

Erfreulicherweise war der Mombert-Saal bei meinem Vortrag gut gefüllt. Für die Nachzügler waren nur noch Stehplätze im Angebot, die türnahmen Plätze waren weg. Einige Bilder, die mein Kollege netterweise geschossen hat, habe ich in meiner Galerie abgelegt (danke Manni und Jens).

Die vielen Nachfragen direkt nach dem Vortrag und v.a. die vielen vielen Fragen nachdem wir den Raum für den Folgevortrag verlassen mussten ließen imho erkennen, dass am Thema “LiMux” immer noch großes Interesse besteht. Die Vortragsfolien sind mittlerweile auch online hier erhältlich. Das Paper gibt es auch hier. Kommende Woche werden die Folien meines Vortrages und die von meinem Kollegen vom Vortag, der mehr auf die strategischen Aspekte von LiMux einging, unter www.muenchen.de/linux -> Publikationen online sein.

Ich bin nächstes Jahr sicher wieder dabei ;-)

Nachtrag: Ab sofort ist ein offizieller Rückblick aus LiMux-Sicht verfügbar: www.muenchen.de/Rathaus/dir/limux/136331/linuxtagrueckblick.html

Erfindung des Tages: Einmal-Grillpfanne

Sonntag, 19. Juni 2005

Einfach gut ;-) Da steht man Freitagabend da, hat irgendwie keinen Bock auf das ganze Grill-Primborium, aber E-Grills sind uncool. Die Rettung naht in Form eines 6 Euro teuren Kartons, auf dem “Einmalgrill” steht.

Auspacken, hinstellen, anzünden und ca. 15 Minuten später passen 4 Steaks ein wenig gedrängt wunderbar auf einen kleinen feinen Grillrost. Weit über die zugesagte eine Stunde blieb das Ding heiß, auch wenn ich da schon längst überfüllt in der Ecke lag (hm, Bier oder Fleisch?).

Fazit: Teuer, aber für schnelle Grillaktionen wunderbar geeignet - hervorragend auch für unterwegs ;-)

Windows vs. Linux: das bessere System?

Samstag, 18. Juni 2005

Vorab: nein, das wird kein Artikel, der diese Frage wirklich beantwortet ;-)

Auf die Idee, mich wieder einmal dieser Frage zu widmen, hat mich Stephan Doerner in seinem Blog gebracht, er beschreibt dort die verzerrte Darstellung der M$-Propagandaseite “Fakten zu Windows und Linux“.

M$ argumentiert, dass ein Umstieg von einer heterogenen auf eine neue M$-Infrastruktur Verbesserungen mit sich bringt. Aber hallo? Wie dämlich müssten denn die Verantwortlichen dort sein, wenn sie mit der Einführung einer neuen Infrastruktur nicht gleich einiges gerade rücken würden, was bisher suboptimal läuft.

Aber zurück zur Ausgangsfrage. München steht für die andere Seite, Linux erobert die städtischen Arbeitsplätze und die Welt ist danach besser. Genau die gleiche Argumentation (zumindest in der Presse, die Stadt hat das nie gesagt) und genau der gleiche Fehler. Auch in München gilt es, zusammen mit der Einführung eines neuen Betriebssystems (das auch Windows XP hätte sein können), heterogene Strukturen zu betrachten und zu optimieren. Die Einführung eines standardisierten Clients, der mit einer Softwareverteilung, einer Konfigurationsdatenbank, einem 2nd level Support gegen ein standardisiertes Directory (das logisch auch verteilt sein kann) authentifiziert - das alles sind Verbesserungen der vorhandenen Infrastruktur, die eine Migration nach WindowsXP genauso mit sich gebracht hätte. Und genau das ist ja der Punkt: Die IT-Infrastruktur wird bei den bekannten Migrationen gesamt oder in Teilen verbessert, weitgehend unabhängig vom verwendeten System.

OK, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Freie Software ist nicht frei im Sinne von kostenlos, sondern gewährt mir gewisse Freiheiten. Sie versetzt mich daher in die Lage, die Verbesserung meiner Infrastruktur weit besser selbst bestimmen zu können und ggf. selbst Hand anzulegen, zumindest theoretisch. Praktisch werden das nur wenige direkt machen, aber genau dafür gibt es ja Dienstleister. Während eine proprietäres Spezialsystem nach Erstellung weiterhin unter Verschluss (bzw. unter teuren Kosten) gehalten wird, fließen Anpassungen, Erweiterungen, Module, usw. bei freier Software wieder der Allgemeinheit zu. So profitiert München von Wien (und andersrum), Venezuela von Brasilien und Hans Hubert Meier (fiktiv) ebenso - freie Software für freie Menschen.

Jetzt bin ich doch wieder ein wenig abgeschweift, ich denke meine persönliche Haltung ist klar. Aber doch nochmal zur Ausgangsfrage. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Wichtig ist, dass man endlich aufhört, schwarze und weiße Welten gegenüber zu stellen. Die großen Verbesserungen liegen in Prozessen und Infrastruktur, nicht in der dann verwendeten Software. Auch wenn freie Software einfach die bessere Wahl ist… *g*

Softwarepatente: Wien und München zeigen Flagge

Freitag, 17. Juni 2005

Was die Regierungen der EU-Staaten nicht schaffen, machen ihnen die (Ober)Bürgermeister zweier europäischer Großstädte einfach vor: Dr. Michael Häupl und Christian Ude schreiben den EU-Abgeordneten, warum sie aus ihrer Sicht keine unklare Softwarepatent-Richtlinie benötigen. In ihrem gemeinsamen offenen Brief betonen die beiden die Notwendigkeit der Klarheit und scharfen Grenzziehung zwischen patentierbaren Erfindungen und nichtpatentierbarer Software (Pressenotiz). Sie sehen v.a. auch den Mittelstand betroffen, auf den bereits jetzt ca. 30.000 angemeldete aber noch nicht durchsetzbare Trivialpatente warten. Allerdings geht es nicht nur um diese, die Richtlinie lässt auch in anderen Bereichen, Stichwort Interoperabilität, durchaus die notwendige Klarheit vermissen.

Ich meine: Die EU soll endlich ihre Hausaufgaben machen, anstatt ständig auf Drängen der Großindustrielobby die “Verschwammisierung” einer ursprünglich sicher gut gemeinten Richtlinie zu betreiben.

Diese Lobby hat bei anderen mit ihren Parolen offenbar mehr Erfolg, sowohl Frau Zypries, als auch Niedersachsens Ministerpräsident Wulff mit ihren Schreiben wenden sich als Sprachrohre der Pro-SWPat-Lobby an die EU-Abgeordneten.

Spannend bleibt nun, wer sich in den kommenden Wochen durchsetzt: die Vernunft oder das Geld.

SWPat: Quo vadis Berlin?

Samstag, 11. Juni 2005

Tja, irgendwie blickt man da nicht mehr durch. Da verkündet die Bundesjustizministerin am Jahresanfang, dass sie ab der zweiten Lesung der Softwarepatent-Richtlinie auf die Meinung des Deutschen Bundestages umschwenken wird - manch einer dachte schon, die gute Frau Zypries ist froh über die Möglichkeit, sich hinter der Volksvertretung verstecken zu können - aber kaum kündigt Kanzler Schröder Neuwahlen an, vertritt die Bundesregierung, ihr voran die Ministerin, ganz und gar nicht die Meinung des Volkes. Im Gegenteil, aus Berlin kommen die wohl üblichen Platitüden für eine breite Patentierbarkeit von Software. Möglichst schnell möchte es bitteschön gehen.

Ist da jemand auf Jobsuche? Ab Herbst werden die Karten ja neu gemischt und evtl. befürchtet Frau Z., dabei leer auszugehen? So ein sonniges Plätzchen inmitten einer großen Firma - wer ebnet sich da nicht gern den Weg dorthin…

Und dann gibt es ja noch die Grünen, den kleinen Koalitionspartner. Partner? Ne, nicht wirklich. Seit Monaten beschließen sie, sich gegen die Ratsversion (und damit gegen die Haltung der SPD-Ministerin) zu wehren, tatsächlich passieren tut nichts.

Achja, die Konservativen gibt es auch noch. Die bestimmen extra eine neuen Berichterstatter, da der alte anscheinend zu geradlinig die Interessen der Großindustrie vertrat, aber der neue geht den gleichen Weg weiter.

Liebe Bundes-Politiker, mir ist klar dass die wenigsten von euch Softwäre fehlerfrei schreiben können, aber nur weil es euch nicht interessiert und die Großkonzerne euch loben, muss es noch nicht gut sein. Fangt endlich an zu denken, viel Zeit bleibt nicht mehr.